Landschaft: Ein Nachtrag zu 'Anfänge'
Eben lerne ich ein winziges Landschafts-Stückchen (22,5×33 cm) kennen,* das Ambrogio Lorenzetti, dem Meister der “Guten und schlechten Regierung” im Palazzo Pubblico von Siena, zugeschrieben wird (und ebendort im Stadtmuseum hängt). Es soll aus denselben Jahren – um 1340 – stammen; aber nach dem großen Wandgemälde entstanden, und also keine Vorstudie sein! Ein frühes Juwel, das auf die Darstellung menschlichen Lebens ganz verzichtet, und nur seine leblosen Produkte – Schloss, Barke – zur Ansicht bringt.
Zu beachten vor allem der unbekümmert exzentrische Bildaufbau, der, ganz ohne Zentralperspektive, ungewohnt modern anmutet.
Und die ‘erste reine Landschaftsdarstellung ohne äußeren thematischen Vorwand’ müsste man um über hundert Jahre vordatieren! (Nicht zuletzt darum ist Ambrogios Autorschaft nicht ganz sicher; auch Il Sassetta, ca. 1400-1450, ist im Gespräch.)
*) siehe NZZ 23. 5. 2009.