Landschaft: Engländer und Italiener
Ihren zweiten großen Aufschwung nimmt die Landschaftsmalerei in England - nachdem sie sich in Holland in Routine und Gefälligkeit verausgabt hatte.
Die englischen Maler können an zwei Traditionen anknüpfen - die Holländer und die Italiener.
War bei den Holländern der im nationalen Aufbruch befreite Blick die Voraussetzung für den künstlerischen Auschwung gewesen, so war er in Italien das Ergebnis einer Jahrhundertelangen Arbeit an der Kunst. Hier war die Landschaft ein Sujet, dem sich die Malerei, nachdem sie sich so viele Gebiete jenseits der Heiligengeschichte erschlossen hatte, schließlich “auch noch” zuwenden musste - neben und nach allen andern.
Und natürlich sind es keine realen Landschaften, sondern um - dem Effekt zuliebe - vorgestellte.
Damit auch in Italien ein besonderes Genre daraus entstehen konnte, bedurfte es der Ausländer. Nämlich der englischen Aristokratie, in der im siebzehnten Jahrhundert the Grand Tour, die ausgedehnte Bildungsreise durch den Kontinent, zur Bedingung und zum Ausweis der Hoffähigkeit wurde. Die Ansichten der antiken Stätten, der venezianischen Palazzi und der Golfs von Neapel wollten festgehalten und auf das neblige Eiland mitgebracht werden. Auf die Tradition der einheimischen Veduten-Malerei konnten sie zurückgreifen. Doch die Landschaften kamen erst den nordischen Touristen pittoresk vor, und die ansässigen Maler folgten ihrem Geschmack.
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Und folgten wohl gar den Touristen selbst in ihre feuchte Heimat:
Der ältere Canaletto malte ihnen London mit einem südlichen Himmel, als wär’s Venedig…
Den Weg hatte ein in Italien malender Ausländer gewiesen, Claude Gellée (1600-1682) aus Lothringen, genannt Le Lorrain - der vor zweihundert Jahren so berühmt war, dass man ihn wie Tizian, Raffael und Michelangelo nur bei seinem Vornamen zu nennen brauchte.
Es sind Ideallandschaften. Die Figuren, die wie Holzpuppen wirken, dienen nur als Anlaß, nicht einmal mehr als Vorwand. ‘Italienisch’ ist der Landschaftstyp, die Vegetation und - das Licht!
Reale Landschaften hat auch Claude nur als Studie abgebildet: