Geschichte der Landschaftsmalerei: Anfänge
Allererste Landschaftsdarstellungen ‘gibt es’ wohl schon im Altertum, aber nicht ‘thematisch’, sondern nur so nebenher, wie in diesem Fresko, das die Wand eines Wohnhauses in Pompeji zierte und also vor 20 n. Chr. entstanden ist:
Es dient offenbar einem rein dekorativen Zweck, und die ‘Landschaft’ hätte schwerlich solche Ehre erfahren, könnte man ihren Baum nicht als einen ‘heiligen’ auffassen…
Auch in der “gotischen” Malerei vor der Renaissance kommt Landschaft hier und da als Staffage vor - um die dargestellte allegorische Szenerie zu erläutern, wie hier im Palazzo Pubblico von Siena (aus dem Jahr 1340):
In der italienischen Renaissance treten neben den allegorischen und Heiligengeschichten nach und nach weltliche Sujets in den Vordergrund der Malerei. Und weltlich wird auch ihr Format: An die Stelle des Wand- oder Altargemäldes tritt das Tafelbild.
Eine Landschaft “kommt vor” als momentum differentiale der “Szene”.
Doch zum Thema wird die Landschaft anscheinend erstmals auf diesem Bild von Jan van Eyck aus dem Jahr 1437:
Der Kanzler Jean Rolin und die Jungfrau Maria; quasi ein Triptychon: Links der Kanzler, rechts die Jungfrau, dazwischen - wie ein “allererstes reines Landschaftsgemälde” - der Fensterausblick in die Umgebung. Zwar gibt auch hier die fromme Szene den Anlaß für die Darstellung “der Natur” (wie sie nämlich draußen ist). Aber dem Betrachter wird nicht die Wahl gelassen, ob er sie zur Kenntnis nehmen will oder nicht. Sie macht die Bildmitte aus, aber wer sie anschaut, sieht nicht mehr zugleich Maria und den Betenden. Und wer auf jene achtet, muss die Landschaft beiseite lassen. Die Landschaft - “die Natur” - ist zwar (noch) nicht das Thema des Bildes, aber doch (schon) die “andere Ebene”, ohne die die erste nicht auskommt. (Freilich will dieser Zwiespalt sinnbild lich aufgefasst werden.)
Und es handelt sich, trotz seiner Frömmigkeit, schon nicht mehr um ein Wandgemälde oder einen Altaraufsatz, sondern, ganz weltlich, um ein Tafelbild.